TÜRKÇE / DEUTSCH

Dichter der verbotenen Wort
Manche Dichter/Schriftsteller verwenden ein zwangsmäßiges Traumbild. Das Verbot der Meinungsäußerung lässt manchmal die Anwendung des Trugbildes nicht zu.

Die Verse und deren Bildhaftigkeit sind die ersten Bausteine für ein Gedicht. Um die Qualität eines Dichters sehen zu können, muss dieser das Kriterium in der Anwendung des Traumbildes erfüllen. Manche Dichter/Schriftsteller verwenden ein zwangsmäßiges Traumbild. Das Verbot der Meinungsäußerung lässt  manchmal die Anwendung des Trugbildes nicht zu.

Die erste richtige Aussage ist von Turgut Uyar. Er hat den Namen "Kurdistan"  zum ersten Mal im Türkischen Gedicht Uyar angewendet. In seinem Gedicht zum steilen "Weg" sagt er:

Wenn du vom Rumpf der Rosen die Dornen nacheinander abreißt
werden die Stellen, wo du die Dornen nacheinander rausgerissen
                                                                                hast brennen
du würdest Glauben dass die Stellen
wo du die Domen rausgerissen hast der Frühling ist
in Kurdistan und auf der Strasse Mus-Tatvan blutet eine Stelle.

Direkt Erzählung

Obwohl es verboten war, haben einige Dichter das Wort „Kurdistan“ benützt. Das erste Buch von Soysal Ekinci heißt “Zwei Länder, eins ist verloren“. Das verlorene Land ist Kurdistan und das zweite Land ist Palästina. Dichter Ekinci vergleicht sein Land immer mit Palästina. Er benützt nie den richtigen Name von seinem Land. Soysal Ekinci bringt sein zweites Buch, “Aufruf“ 1990 heraus. Er verwendet den richtigen Name vom seinem Land in diesem zweiten Buch. Wenn er es erwähnte, sagte er “Kurdistan“. Die Stadt hat das Buch eingesammelt und Ekinci bekam eine Freiheitsstrafe. Als er starb war er ein geflüchteter Dichter.

Auch Sefa Fersal benützt das Wort “Kurdistan“. Dichter Fersal verwendet das Wort zweimal in “Tagesbuch des Partisanen“. Sedat Yurttas brachte 1992 ein Buch heraus. Das Buch heißt “Die neuen Lieder, die das Orchester spielt“. Er verwendet auch in seinem Buch das Wort “Kurdistan“. Auch Serdar Can verwendet es 1993 in seinem Buch “Drei tausend Jährige Epoche“. In dem Buch steht ein Gedicht, es heißt : “Kurdistan schreit“. Haydar Ogurs Buch kommt 1994 heraus, in dem Buch wird das Wort zweimal verwendet. Ein Jahr später 1995 bringt Ali Bicer sein Buch “Lieber und Traum“ heraus. Das Kurdistan Wort wird auch da öfter verwendet.

Indirekt Erzählung

In den türkischen Gedichten gibt es Aussagen die verboten und risikoreich sind und auch Aussagen, für die man sogar Freiheitsstrafen bekommt. An erster Stelle steht das Wort: "Kurdistan." Die kurdischen Dichter schreiben in ihren Gedichten, dass sie den Namen ihrer Heimat nicht anwenden können. Also bedeutet dies, dass die kurdischen Dichter eigentlich die Gedichte der Verbote schreiben.

Die Kurden und ihre Heimat haben erst nach 1980 angefangen in den türkischen Gedichten vorzukommen. Die Meisten, die in ihren Gedichten das Wort Kurdistan verwendet haben, wurden verurteilt, verhaftet und bekamen Freiheitsstrafen. Der Dichter Yilmaz Odabasi, Edip Polat und Soysal Ekinci sind einige davon. Fadil Öztürk sagt in seinem Gedicht "Meine Heimat ist weggegangen" aus seinem Buch "Weckt das Wasser auf, damit es meine Stimme wird", "Meine Heimat ist im närrischen Abstand, meine Geographie namenlos". Damit bringt er die Schwierigkeit, dass es nicht möglich ist, den Namen seiner Heimat zu nennen zu Worte. In seinem ersten Buch "Urmien Blau" sagt Emir Ali Yagan:

Unsere
Identitätslosigkeit
die wir verlassen wurde de-lori
Mondfinsternis in den Medya Nächten

Da der Dichter das Wort Kurdistan nicht anwenden konnte, greift er auf die Aussage "Medya Nächte" zurück. Der Dichter Hüseyin Elci bringt in seinem Buch "Die Drachen meines Herzens" die Wichtigkeit dieses Problems so zu Worte:

Ich kann mit einer Identität
ohne Heimat leben
aber
mit einer Heimat ohne Identität Niemals

Hüseyin Simsek und Emir Ali Yagan befinden sich in der gleichen Situation. In seinem Buch "Die mondlosen Nächte der kolonialisierten Städte" sagt Simsek:

Oh du meine traurige Heimat
der Preis deiner richtigen Benehmung
sind diese Massaker…

Da der wahre Name der Heimat verboten ist, ist man gezwungen andere Benennungen dafür zu verwenden. Die am meisten für die Heimat eingesetzten Namen sind Verlorene Heimat, nicht existierendes Land, für ungültig erachtetes Land, ein Land ohne Identität, ein Land, dessen Name verboten ist, ein Land, dessen Dasein nicht anerkannt wird, Rosenheimat, gesegneter Halbmond, Land der Lieder, Land der Träumer, Schnee strickende Geographie, Seelenland, Zufluchtsort, die gebrochene Hand der Geschichte oder Mezopotamien, kurz gesagt Kurdistan. All diese Benennungen sind halbe oder unvollständige Ausdrücke.

Und noch immer ist es im türkischen Gedicht verboten das Wort Kurdistan zu verwenden. Wer dieses tut, muss den Preis dafür zahlen, nämlich die dafür verhängten Strafen.

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4. Dezember 1999/Siebenstern Kulturzentrum-Wien  

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ANTOLOGIE
GASTAUTOR
Die Gedichte von Simsek gingen sehr unter die Haut!

In einem Zazakischen Gedicht hat Hüseyin die Donau Mutter genannt. Ich kann mich nicht erinnern die Donau jemals als Mutter genannt gehört zu haben....[mehr]

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