TÜRKÇE / DEUTSCH
Neue Stimme in der österreichischen Literatur!
HÜSEYİN ŞİMŞEK

Mein Ziel war es, Journalist und Autor zu werden. Ja, das war ganz klar mein Ziel! Und es hat sich nie verändert! Mir war jedes Mittel recht, um mein Ziel zu erreichen. Das ist gefährlich, so zu denken? Aber im Leben gab es noch gefährlichere Situationen. Im Jahr 1980 habe ich das Gymnasium absolviert. Am 12. September dieses Jahres riss das Militär die Regierungsmacht an sich. Als ich wegen meiner politischen Einstellungen und Aktivitäten im Jahr 1981 zum erstmal verhaftet wurde, war ich erst neunzehn Jahre alt. Ich habe fünf Jahre lang im Militärgefängnis auf meine Verhandlung gewartet.

Während dieser Verhandlung sich noch vorsetzte wurde ich vorläufig aus der Haft entlassen. Ich wollte noch weiterhin als Journalist und Autor tätig  sein! Aber es gab ein wichtiges Problem! Da ich die Zeit, in der ich studieren wollte, im Gefängnis verbracht hatte, suchte ich nach Möglichkeiten, ohne einen Abschluss ins Verlagswesen einzusteigen. Im Jahr 1986 begann ich erstmals als Berichterstatter bei einer Wochenzeitschrift zu arbeiten. Zwischen 1986-98 arbeitete ich als Journalist und schrieb drei Romane sowie ein Gedichtband und zwei wissenschaftliche Bücher.

Im Juni 1992 unterzeichnete ich gemeinsam mit über 160 Schriftstellern und Intellektuellen einen Aufruf an den Staat und an die Kurden, den Krieg zu beenden. Darauf hin wurde ein Verfahren gegen mich eingeleitet, welches zehn Jahre dauerte. Am Ende wurde ich zu einem Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt. Ich wollte nicht zurück ins Gefängnis. Auf diese Weise verließ ich meine Heimat. Mein Vater lebte und arbeitete seit 1979 in Österreich. Im Jahr 1986 holte er die ganze Familie mit Ausnahme von mir ab. Ich wollte gerne in Istanbul leben oder bleiben. Aber ich musste mein Land verlassen, um mein Leben zu retten. Schließlich reiste ich am 2. Mai 1998 nach Österreich ein.

Ich war ein Schriftsteller und Journalist. Was konnte ich hier (in der fremde Heimat) tun?

Nach nur sieben Monaten, im Jänner 1999 brachte ich mit Seher Çakır eine Zeitschrift (Öneri/Vorschlag) heraus. Innerhalb kürzester Zeit hat sich daraus eine kleine Gruppe entwickelt. Bis 2001 publizierten wir 18 Ausgaben und machten anschließend eine Pause! Zwischen 2001 und 2003 schrieb ich für die Europaweit erscheinende Tageszeitung Özgür Politika (Freie Politik). Ich war daneben auch für das Layout des monatlich erscheinenden, türkischsprachigen Zeitschrift des Wiener Integrationsfonds (Viyana Postası) zuständig, wobei ich auch schriftliche Beiträge leistete. Von Februar 2004 bis Jänner 2009 war ich Redakteur der zweisprachigen, monatlichen Zeitung Öneri (Vorschlag). Und seit Dezember 2006 arbeite ich auch für einen türkischen Kanal (Yol Tv) als Programmgestalter...

Die Menschen, die unter dem Titel “Gastarbeiter” in Österreich Fuß gefasst haben, sind bereits seit 45 Jahren hier. Mittlerweile werden sie sogar als “neue ÖsterreicherInnen” akzeptiert. Sie sind in jedem Arbeitsbereich vertreten und bereichern und gestalten die Gesellschaft, in der sie leben, mit. Allerdings sind sie in der Politik oder sonstigen öffentlichen Bereichen (ziemlich) in der Minderheit. Diese “neuen” oder “anderen” ÖsterreicherInnen sind am wenigsten in der Literatur vertreten. Es gibt zum Beispiel keinen Verlag, der sie unterstützt. Wenn wir die aus der Türkei stammenden DichterInnen und AutorInnen auf zählen würden, könnte man sie an einer Hand abzählen. Die Kinder und Enkelkinder dieser damals eingewanderten, so genannten “Gastarbeiter” schreiben Gedichte, Romane, Essays, etc.

Ich möchte betonen, dass die “anderen Stimmen” nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund sein müssen. Neue und/oder andere Stimmen! Es sollte nicht nach Nationalität, Glauben, Ideologie usw differenziert werden, sondern danach, wie der/die AutorIn schreibt. Ich will auch dem literarischen Orchester neue Stimmen hinzufügen. Somit beginne ich mit einem Gedichtband: ”Schreibend stirbt man am Besten!”

Ich will meine eigene Farbe! Meine eigene Stimme auch! Das Leben soll in allen Farben leuchten. Natürlich schreibe ich auf Deutsch überhaupt sehr gerne, weil ich hier ein anderes bzw. neues Publikum finde. So, in einem positiven Sinne lebe und schreibe ich hier weiter. Nun, auch auf Deutsch....

Juni 2009, Zeitung Öneri

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ANTOLOGIE
GASTAUTOR
Die Gedichte von Simsek gingen sehr unter die Haut!

In einem Zazakischen Gedicht hat Hüseyin die Donau Mutter genannt. Ich kann mich nicht erinnern die Donau jemals als Mutter genannt gehört zu haben....[mehr]

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