TÜRKÇE / DEUTSCH

Schließlich schlug Hüseyin Şimşek (=wie ein Blitz) bei mir ein!
Schließlich schlug Hüseyin Şimşek (=wie ein Blitz) bei mir ein – nein, schon früher hat mich seine Lyrik (in „heim.at” und „Neue österreichische Lyrik, ...” herausgegeben) zutiefst getroffen, jetzt mit Nurdems Infrarot-Roman! Lieber Hüseyin, liebe Nurdem! Danke, infolge des Lesens Eurer Geschichte u.a. habe ich jetzt das Frauen-Volksbegehren unterzeichnet!

GERALD KURDOĞLU NITSCHE*

Noch diesen April, in genau 20 Tagen, fahre ich wie seit Jahren für ein paar
Wochen in die Türkei, nach Istanbul, meine Auch-Heimat – Heimweh zerrt an mir! Es werden nun wohl schon über 10 Jahre sein, dass ich mich – zuerst spannend interessante Fremde, dann 2. Heimat, daheim fühlen konnte, kann.

Meine Sehnsucht geht aber viel weiter zurück, als ich, Jugendlicher, Karl May´s „Von Bagdad nach Stambul” las, so faszinierend vom Galataturm, … erzählt, dass ich unbedingt dorthin, nach Byzanz, Konstantinopel, Istanbul wollte. Einiges später erfuhr ich von Lehrer-Kollegen, die begeistert von Istanbul erzählten, dass es ganz in der Nähe des Turms das Österreichische St. Georgskolleg gibt, und man Lehrer sucht. Bei der nächsten Gelegenheit, 1978, bewarb ich mich als Deutschund Zeichenlehrer, und wir, die ganze Familie, Brigitte, Veronika und Christof, 5 - 7 Jahre jung, übersiedelten und fanden eine schöne Wohnung in Emirgan, einem gemütlichen Stadtteil am Bosporus, Hilfsbereit-, Gastfreund- und Landschaft, Architektur – welch schöne Erinnerungen!

Meine Start-Basis in der Türkei war und ist das Österreichische St. Georgskolleg, wo ich 8 Jahre, 1978-80 und 1993-99, als Lehrer tätig war, ein geistiger und ganz konkreter Ort, ein multi- bis interkulturelles Zentrum mit Schülerinnen, Schülern und LehrerInnen verschiedener Religionen, Moslems, Juden, Christen und diverser anderer, z.B. sprachlicher Gruppierungen, die wegen der doch sehr restriktiven „Minderheiten“ Politik teilweise zu sogenannten „Küchensprachen“, also nur für häuslichen Gebrauch, verkamen. Zusammenarbeit zwischen Christen und Moslems war alltägliche Realität, auch sehr früh wurde der interreligiöse Dialog gepflegt, deutlich dokumentiert durch regelmäßige Beiträge des St. Georgsblatts, des Kirchenblatts der katholischen Gemeinde, wo nicht nur die Aktivitäten der evangelischen Gemeinde, sondern regelmäßig auch über Islam und Judentum in geschwisterlicher Wertschätzung berichtet wurde, lange bevor das in den höheren Hierarchien zaghaft begonnen wurde. An Sprachen wäre an unserer Schule neben dem Türkischen, kurdisch, armenisch, aramäisch, griechisch, sefardisch, vielleicht auch lasisch und arabisch … vertreten gewesen, aber alle SchülerInnen sprachen türkisch und in einigen Fächern war Deutsch die Unterrichtssprache. 1999 bis 2002 war ich dann wieder in Landeck am Gym, seit 2002 in Pension – seither jedes Jahr einige schöne Wochen in der Türkei.

An meiner Bücherwand hier stapeln sich Literatur-Meisterwerke der Türkei und
an einander- oder abgelehnt in diversen Sprachen: Orhan Veli Kanık, Yaşar Kemal, Emine Sevgi Özdamar, Kundeyt Şurdum, Azız Nesin, Nazım Hikmet, Sait Faik („Das Leben ist ein Lastkahn”, sein Museum auf „meiner” Insel Burgaz öfters besucht, demnächst wieder!), Naum Melo, Celal Özcan, Orhan Pamuk (lernte ich bei der Frankfurter Buchmesse, als die Türkei Ehrengastland war, kennen).

Schließlich schlug Hüseyin Şimşek (=wie ein Blitz) bei mir ein – nein, schon früher hat mich seine Lyrik (in „heim.at” und „Neue österreichische Lyrik, ...” herausgegeben) zutiefst getroffen, jetzt mit Nurdems Infrarot-Roman!

Lieber Hüseyin, liebe Nurdem! Danke, infolge des Lesens Eurer Geschichte u.a. habe ich jetzt das Frauen-Volksbegehren unterzeichnet!

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* Quelle: Hüseyin A. Şimşek, Das Mädchen wollte ihre Infrarotfarbe, Vorwort, seite 5-6

 

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